23. September 2008

No Goodbye. See you later!

Abgesehen vom vorhandenen Herzschmerz im Gepäck (dass ich Cherry zurücklassen musste und sie erst in einem halben Jahr wieder sehe:-( bin ich aber im Allgemeinen doch sehr happy, nun wieder mal zu Hause im schönen Ländle vorbei zu Schauen. Vorallem natürlich um geliebte Familie und Freunde wieder mal live zu Erleben und um die schönste Jahreszeit, den Sommer (Juhuu! Juhuu!) zu Genießen. Denn ich bin ein Flip-Flop Kind und vom kalten Wind und grauem Wetter in Auckland habe ich vorerst mal genug. So viel ist sicher.

Und auch vom Big City Life. Ich freue mich auf einen Szenenwechsel ins gemütliche Dornbirn. Buenos Dias, Señor! Und auf Spanien sowiso. Die Berge im magischen Baskenland sind mir ein wärmstens willkommener Tapetenwechsel. Viva la Busqueda. Vorallem ist die Strategie "von Urlaub zu Urlaub" eine verantwortungsvolle Vorbeugung gegen einen eventuell auftretenden Kulturschock bei der Heimkunft.

Mit einem großen Smile im Gesicht kehre ich Heim nach einer wundervollen und erfahrungsreichen Zeit am anderen Ende der Welt, in einem wirklich bezaubernden und magischen Land. Yeah. Es war zweifelos eine weise Entscheidung, das 4.Semester dort unten im Land der Kiwi Früchte und -Vögel zu Machen.

Von Herzen danke ich vorallem meinen Eltern für ihre wertvolle Unterstützung und ihr bewundernswertes Verständnis für die lustigen Ideen im sturen Kopfe ihres Sohnemannes. Weiters freue ich mich, das Vater Staat vorbildliche Bürger wie mich auch recht großzügig unterstützt, damit sie ihr Land auch in der Ferne ehrenhaft vertreten (Autriche? No, no, Madame, je suis francais;-)

Ich danke den Ältesten und allen Spirits von Māori Aotearoa. For Welcoming me, Protecting me and Guiding me. Kairākau. Und natürlich meiner ganzen Māori Whānau für ihre Freundschaft, Hilfe und sogar für die 5 Shots, die mir nun wirklich den Rest gegeben haben;-) You know who u are.

Wie mein weiser Māori Bruder Lucky doch immer zu Sagen pflegte; "We Māoris don't like Goodbys. We only say "See you later". In this way we don't have to cry so much, we don't like being sad....So better be blessed and happy until our lifes meet again!";-)

Viel durfte ich von diesem wundervollen Land und von seinen Kriegern lernen. Was für ein Geschenk. Ranginui (Skyfather), Papatuanuku (Mother Earth). Thank you so much.

with all my love,
Mario José from the Milky Way, 2008

Von No Goodbye. See you later!


On the Way Back Home

Die Zeit vergeht wie im Flug. Ausser man sitzt im Flugzeug. Und reist grad um die halbe Welt. Dennoch gebührt dem technologischen Fortschritt ("tech-no-logic-kill" erklärte mir einst ein Weiser ohne Bart;-) der westlichen Welt an dieser Stelle doch ein Lob, denn das Fliegen in einem dicken Blechvogel ist zugegebener Weise doch die angenehmste und schnellste Art, ans andere Ende der großen Kugel zu Kommen.

Ja, ja und da den Arabern langsam aber sicher das Öl ausgeht, müssen sie wohl zunehmend dafür Sorgen, in unangenehmen Situationen immer ein lustiges Späßchen auf Lager zu Haben. Und so erklärte mir die nette Dame am Emirates Schalter beim Check-In, dass vor 2 Monaten die Gewichtstoleranz fürs Gepäck aufgehoben wurde und ich nun leider Pech habe und 100 Dollar zahlen müsste. Ich bat das junge Fräulein um ein wenig Hausverstand und half ihr geduldig bei einer kleinen Kopfrechnung aus der 2. Klasse Volksschule: "Herr Müller checkte vor 5 Monaten bei Emirates mit 27 Kilogramm Gepäck ein. Nach einem langen Urlaub in Timbuktu checkt er bei der Heimreise mit 25 Kilo Gepäck ein. Frau Henne, die gerade am Schalter arbeitete, teilt ihm mit, dass jetzt aber nur noch 20 Kilo erlaubt waren und er unter keinen Umständen mehr Mitnehmen könne. Frage: Ist Frau Henne wirklich so doof oder träumt sie bevorzugterweise immer nur am Tag?;-)

Frau Henne suchte sich in der Tat einen sehr freundlichen und charmanten, jungen Mann für ihren frischen und aufmunternden Spass aus, realisierte dennoch recht rasch, dass sie nicht die einzige war, die die hohe Kunst des Scherzens verstand. Don't mess around with El Plappermaul Grande José. Sie brauchte also Verstärkung und rief die Oberhenne des Stalls zu sich, die auch noch mit allen Kräften versuchte, dem armen, mittellosen Mann aus Zentralafrika die letzten Goldtaler aus der Tasche zu Fischen. Doch noch kurz bevor ich den Wunsch äussern wollte, meinen guten, alten Freund aus dem Kindergarten, den Scheich Abdul Mohammed dem III. (zugleich Präsident von Emirates Airlines) zu Sprechen hörte die arabische Gans endlich mit ihrem Gegackere auf und ließ mich in Frieden;-) Inshallah! Allah war mir endlich gnädig.

Ansonsten durfte ich eine leicht aufgetunete Flying Experience mit den Saudis genießen. Nicht das sie sich meiner bedeutenden Persönlichkeit bewusst gewesen wären und mich in die First Class gebeten hätten (wäre natürlich sehr angebracht gewesen), aber im Vergleich zum Hinflug nach NZ war diese Boeing noch eine Nummer neuer und schicker. Sie hatte ein noch moderneres Inflight Entertainment Programm und sogar funkelnde Sterne an der Decke im Flugzeug wenns dunkel wurde....Wow, sind die schön;-)

Nach dem turbulenten Intermezzo beim Rückflug von Fiji reagierte mein gesamtes System nun verständlicherweise sehr sensibel auf shakeadelische Vibrations des Flugzeugs. Und so hatte ich dieses Mal schon bei dem kleinsten Holperer panische Tendenzen und mentale Konfrontationen mit dem Ende meiner 647. Reinkarnation auf dem Planeten Erde. Wie ein Mantra musste ich immer wieder und wieder den Satz "Flugzeuge sind statistisch gesehen die sichersten Verkehrsmittel" im Geiste wiederholen;-)

Nach nicht besonders interessanten und nur kurzen Zwischenstops in Brisbane und Singapore gabs natürlich auf dem Flughafen von Dubai wieder mal einiges zu Staunen. Arm und Reich, Bettler und Scheich. Palmen und Teich. Zahlreiche bunte Menschen aus dem Orient und Oxident. Salam Alaikum. Ich hatte mehr als 3 Stunden Zeit, um mich wieder mit meiner Lieblingsbeschäftigung zu Unterhalten: Scheich-Watching. Es gibt doch kaum was faszinierenderes, als diese Herren zu Betrachten, stolz wie Engel dahinschreitend mit einer charismatischen Ausstrahlung eines dunklen Friedhofs.

O doch, wenns etwas noch komischeres gibt, dann sind es ohne Zweifel ihre Frauen, voll in Schwarz vermummt und verpackt als wären sie gerade zum Air-Cargo Terminal unterwegs. Ich probiere es ja, aber dennoch.....trotz allem ernsthaften Respekt und Achtung......der Islam ist für mich (von allen Glaubenskontrollssystemen der Welt) einfach die Philosophie, die ich am Wenigsten verstehen kann. Und ich bemühe mich. Aber dennoch gibt es viele Dinge, die ich an dieser Lebensweise doch sehr schätze, wie z.B Ustad Nusrat Fateh Ali Khan, den Pfefferminztee und die Wasserpfeife;-)

Wie dem auch sei. Auch dieses Mal war das Essen mit Emirates wieder vorzüglich und ich habe es sogar (im Vergleich zu letztem Mal) geschafft, nicht so viel zu Essen, dass mir übel wird. Die Araber mästen ihre Gäste. Alle 5 Minuten gibt es was zum Futtern. Jedoch bin ich froh, dass ich dieses Mal meine fast 26 Stunden Flugzeit (neben konstantem Essen und Trinken und Nicht-Bewegen) auch für etwas sinnvolles genutzt habe. Blogschreiben und Träumen. Zumindest Träumen ist sinnvoll.

Im Moment (just in diesem Augenblick -timefreeze-) fliegen wir gerade über Bulgarien, der Airbus wackelt wieder mal eine Runde vor sich hin und verschüttet fast meinen 7.Kaffee. Europa, ich komme (wieder mal einen Sprung vorbei)! Don José from above the Clouds.

Von On the Way Back Home

22. September 2008

The Far North

So, jetzt aber. Der Anfang vom Ende. Mein Portfolio hatte ich gerade dem Peter (Chief vom Graphic Design Department) übergeben und somit war meine kurze aber sehr schöne Zeit an der AUT Uni abgelaufen. Nachdem ich mich noch bei einigen Leuten verabschiedete, spazierte ich mit einem Gefühl der prickelnden Erleichterung und einem breiten Smile auf dem Gesicht nochmals über den Hikuwai Plaza. Juhuu. What a Wonderful World.

Am Abend gab es natürlich (so ein Zufall) eine nette, fette Party in 11F bei Marco (Min Brüdr us dr Schwitz) und Karen. Auch unsere ganze Whānau war pflichtbewusst zur Stelle, um richtig mit uns Abzufeiern. Doktor Lucky versuchte wieder jeden mit seinem Brandy zu Heilen und Elberta dachte schon ernsthaft über ein Marketingkonzept für ihre Lieblingsaktivität when drunk nach (Kissed by a Māori-Trademark;-).

Am nächsten Morgen holte ich unser Mietauto bei der Kiwi Experience in der Beach Road ab. Das war ein Spass. Falsche Seite im Auto, falsche Seite auf der Strasse, früh am Vormittag und dazu noch Automatik;-) Und die Verkehrsregeln in Neuseeland sind auch ein Kapitel für sich. Da hilft nur eine Vollkasko-Versicherung;-)

Als ersten Streich aktivierte ich gleich mal Lucky, der mir schon lange versprochen hatte, mit mir in den coolen Māori-Laden für grüne Jade Schmuck 80km ausserhalb der City zu Gehen. Souvenirshopping Olé! Als ich ihn im Büro anrief, meinte er, dass er megabusy sei und 3 wichtige Termine am Nachmittag habe. Eine Viertel Stunde später saß er bei mir im Auto und wir düsten Richtung Autobahn.

Die (neuseeländische) grüne Jade galt immer schon als heiligster Stein der Māoris. Ihrer Ansicht nach ist der Stein enorm kraftvoll, besonders zum Schutz vor bösen Spirits. Und so habe ich schon Bilder von alten Warchiefs gesehen, die hatten richtige Büschel von Grünsteinen um den Hals gehängt. Die hatten es sicherlich nötig;-) Auf alle Fälle sollte jeder Grünstein, den man kauft eigentlich von einem Māori gesegnet werden bevor man ihn dann trägt. Und man darf sich nie einen Grünstein selber kaufen. Von meiner Whānau bekam ich ein wundervolles Geschenk aus diesem Greenstone-Shop. Ich suchte mir aber keinen Grünstein aus, sondern ein Hei Matau (Fishhook) aus Walfischzahn. Lucky grinste nur. Mana, Mana.

Am nächsten Tag fuhr ich mit Cherry zum Waiwera Thermal Spa Resort, der schon mehr als auf halbem Weg in den Norden nach Whangarei liegt. Viele Locals haben mir erzählt, dass es dort wirklich der Hammer sei. Die Leute sollten mal ins Alpamare gehen;-) Der Thermal Resort war ok, aber nicht wirklich die weite Reise wert. Ausserdem waren fast alle Pools open space, was noch ganz witzig wurde, als der Sturm und der heftige Regen kam....Bei der Rückfahrt futterten wir eine fette Portion Fish and Chips in einem originalen NZ Fish 'n' Chips Store in einem kleinen Kaff an der Küste. Eigentlich das erste Mal, dass ich dieses neuseeländische Nationalgericht gekostet habe. Fettiger gehts sicher nicht mehr. Der Gesundheitsminister warnt: Fish 'n' Chips gefährden ihre Gesundheit.

Am nächsten Morgen gings also ab in den Norden. The Far North is calling. Als toller Reisestart fuhr ich erstmals auf die falsche Autobahn in Richtung Nordwest. Kein Wunder, im Verfahren war ich nun schon Meister. In den letzten Tagen hatte ich mich täglich 2-3 Mal in der City so richtig verfahren. Nach eineinhalb Stunden waren wir endlich auf der richtigen Strasse Direction Whangarei. Und wir waren nicht alleine, sondern wurden den ganzen Weg von einer schwarzen Regenwolke verfolgt. Land der Langen, Grauen Wolke. In Whangarei ließ sie uns endlich mal für eine Stunde allein. Die Zeit nützten wir um in einem schönen tropischen Garten mit See einen Spaziergang einzulegen.

Nächster Stop war Kawa-Kawa. Ein Ort, der aufgrund seiner öffentlichen Toiletten Weltruhm erlangt hat;-) Hier designte der österreichische Künstler Hundertwasser öffentliche Klos mitten im Ort (Ort = eine Strasse). Ganz nach seinem Motto "Gerade Linien sind gottlos";-) Ich genoß das besonders ausgefallene Toilettenerlebnis in der mit Sicherheit "coolest toilet I have ever been to".

Whangarei selber fand ich gar nicht so schlimm wie mir Lucky beschrieben hatte ("It's a city where you stop to realize it's better to keep on driving") aber nach der letzten großen Stadt im Norden wurde die Landschaft zunehmend schöner und schöner. Die Sonne war kurz vor dem Untergehen als wir uns der Bay of Island näherten. Was für eine traumhafte Gegend. Innerhalb von ein paar Kilometern an der Küste entlang überkam mich das Gefühl nun wirklich im Urlaub zu Sein. Yeah.

Wir checkten in Paihia, dem Hauptort der Bay of Islands, in einem netten Backpackers ein, dass unteranderem einen Outdoor Whirlpool hatte. Leider waren die Leute so schlau und schalteten ihn täglich um 7 Abends ab;-( Anyway. Paihia ist ein sehr touristisches aber wirklich wunderschönes Örtchen. Am nächsten Morgen gingen wir in Keri-Keri auf einen kleinen, niedlichen Wochenmarkt. Dort gabs Allerlei Interssantes, Unbekanntes aber auch sehr Verwandtes (wie z.B Weisswürste und deutsches Bier). In der Nähe besuchten wir dann das Haus des ersten Missionarpriesters (ältestes europäisches Haus in NZ), der Anfang 18.Jahrhundert aus England nach Kiwiland kam, um den Māoris den christlichen Bären aufzubinden. Aber sein Haus hatte Stil. Ein bischen Old School, aber schön.

Auf dem Weg nach Paihia zurück hielten wir noch auf einer Avocado-Farm, wo wir einen ganzen Sack voller Avocados für den europäischen Preis von einer Einzelnen bekamen. Am späteren Nachmittag ging ich noch auf die offizielle Hauptattraktion der Bay of Island. Die Waitangi Treaty Grounds. An diesem Ort wurde im Jahre 1840 der berühmte Treaty (Vertrag) zwischen der britischen Krone und einer Versammlung von Māori Chiefs unterzeichnet. So was wie eine Abhängigkeitserklärung. Natürlich wurden die Māoris von den Engländern Länge mal Breite abgezockt. Und da sich die englische Krone eigentlich nie an den Vertrag gehalten hat, könnte man die Wichtigkeit der Waitangi Treaty Grounds (abgesehen als Touristenattraktion) wirklich in Frage stellen. Dennoch ist es auf alle Fälle einen Besuch wert. Neben dem coolen Film, den sie zeigen und der tollen Sammlung von Māori Chief Portraits gibt es dort das längste, noch existierende Māori Kanoo sowie eine echt schöne Marae (Versammlungshaus) .

Am nächsten Tag nahmen wir die Fähre um zur Halbinsel Russell, gegenüber von Paihia, zu Gelangen. Russell war ganz früher der Hauptort Neuseelands und anno dazumalien das größte Māori Dorf (namens Kororareka). Russell ist wirklich nett, doch überraschender Weise recht langweilig, falls man einen ganzen Tag dort gestrandet sein sollte. Somit haben wir nach einem schönen Spaziergang den Nachmittag mit Hot Chocolate vor dem Kaminfeuer in der Lobby des ältesten Hotels von Neuseeland verbracht. Wären wir nur 2 Wochen später gekommen, hätten wir die Party des Jahres auf Russell miterlebt: den Birdman-Contest. An diesem Tag schmeissen sich lauter Freaks mit verschiedenen Erfindungen vom Steg im Hafen, in der Hoffnung das sie die Gesetze der Schwerkraft besiegen und zum Himmel auffahren;-) Die ultimative Freakshow. Komischerweise wird dieser Event nicht von Red Bull gesponsort.

Wir hatten echt ein megamäßiges Glück mit dem Wetter. Da nun ja Winteranfang in Neuseeland war, gabs sehr oft Scheisswetter und Regen. Und so war das Wetter ja auch auf der Fahrt bis kurz vor der Bay of Islands. Ab dem ersten Tag in der Bay of Island bis zum Tag unserer Rückkehr von unserem Trip nach Auckland war aber fast nur Sonnenschein angesagt.

Und so hatten wir auch ein Traumwetter für unseren Cape Reinga Day. Wir starteten nach dem Frühstück (also am Mittag) von Paihia los und düsten die ca. 160 Kilometer rauf zum (fast) nördlichsten Punkt Neuseelands. Am Anfang vom 90 Mile Beach hielten wir nochmals für einen Cafe und um den Ancient Kauri Kingdom abzuchecken. Das war eine riesige Kauri-Holz Werkstätte mit einem sehr imposanten Showroom. Die verarbeiteten das Holz der Kauri Mammut-Bäume zu den abgefahrensten Sachen. Von Skulpturen zu Möbeln und Schmuck bis zu einem (Wendel-)Treppenaufgang, der aus einem einzigen Kauristamm geschnitzt wurde.

Es hat einen Grund warum der 90 Mile Beach so heißt. Ich hatte den Weg rauf zur Spitze echt unterschätzt und so kamen wir erst am späteren Nachmittag am Cape Reinga an. Eigentlich schade, dass man mit Rental Cars nicht am Strand entlang raufdüsen darf, denn das wäre sicher eine Gaudi gewesen. Bevor wir aber das letzte Stück zum Cape rauffuhren, hielten wir noch bei den Great Sand Dunes vom 90 Mile Beach. Und die sind wirklich riesig. Wow.

Der Cape Reinga ist (auch wenn er eigentlich nicht der nördlichste Punkt des Landes ist) eine Touristenattraktion und ein wirkliches Must-See. Pure Magie. Neben dem Cape Reinga liegt die Spirits Bay, der heiligste Ort der Māoris. In ihrem Glauben wandert beim Tod die Seele eines jeden Māori in den Norden des Landes um durch die Spirits Bay ins Reich der Ahnen Heimzukehren. Somit ist die Spirits Bay das Mekka für die Māoris. Jede/r von ihnen sollte einmal im Leben zur Spirits Bay pilgern. Damit sie, wenn ihre Zeit kommt, auch genau wissen wo der Ausgang ist;-) Aufgrund meines "Urlaubszeit-Managements" konnten wir leider nicht mehr zur Spirits Bay runterfahren. Next time. Mit oder ohne Körper;-)

Die gesamte Cape Reinga Area ist unbeschreiblich schön. An der Spitze gibt es ein niedliches, kleines Leuchthaus von wo man eine einzigartige Aussicht genießen kann. Wie in so vielen anderen Pilgerorten dieser Welt gab es auch hier am Leuchtturm eine Wegweiser-Tafel (New York 10799 km, Tokio 6780km, Dornbirn 21768km, usw.) damit man weiss, wo man sich etwa befindet. Zu meinem Bedauern waren aber alle Richtungstafeln abgebrochen. Entweder hatte ein frustrierter Pilger einen Anfall ("Was? Noch 22865 km nach Santiago de Compostella?? Ich gebs dir gleich, du scheiss Tafel!";-) oder der Wind, der Wind das himmlische Kind nahm die Schilder mit. Wäre nicht verwunderlich bei den möglichen Windstärken am Cape.

Im schimmernden Licht der bald untergehenden Sonne sahen wir ganze Schwärme von Delphinen im Wasser. Yeah. Zugegebenerweise hätte ich auch wirklich gerne einen Wal gesehen....aber trotz meines großen Fantasiereichtums könnte ich wohl kaum behaupten Moby Dick wirklich gesehen zu Haben;-)

Kurz bevor die Sonne ganz unterging traten wir den Rückweg nach Kaitaia, an den Anfang des 90 Mile Beaches, an. Wäre uns nicht fast der Sprit ausgegangen, wären wir wahrscheinlich mit 90km/h durch die Ortschaft gerast. Kaitaia dürfte auch bei Tageslicht nicht unbedingt der schönste Ort der Welt sein, bei Nacht errinnerte es mich jedenfalls an das abgefuckteste Viertel von ganz Brooklyn. Come to Deadtown. Where the Zombies are. Ich habe wahrscheinlich schneller getankt wie jemand eine Tankstelle überfallen würde. Und Tschüss.

Von Kaitaia waren es etwa noch 50 km bis zum Hokianga Harbour, unserem nächsten Ziel. Wir fuhren ewig über stockdunkle Strassen und ich glaub für mindestens 30 km begegnete uns kein einziges Auto. Spooky Shit. Das war sehr unheimlich. Um so mehr freuten wir uns, als wir endlich in dem kleinen Örtchen Opononi bei Uncle Henry und Auntie Margaret ankamen. Meet the Nobles. Wir hatten das Glück, dass wir von Colleen's Eltern (eine meiner Māori-Sistas from AUT) eingeladen wurden, bei ihnen in der wunderschönen Hokianga Region ein paar Tage zu Verbringen. Es war ein schönes Erlebnis für mich bei einer richtigen Māori Familie zu Wohnen. Und Uncle Henry und Auntie Margaret waren einfach voll cool. Auch Colleen's Schwester war gerade mit ihren 3 Jungs auf Besuch. Māori Familiy Life. Volle Action.

Der Hokianga Harbour ist eine kleine, aber lange Einmündung des Meeres ins Landesinnere und zugleich eine wirklich traumhafte Gegend. Die Ortschaft Opononi ist in ganz Neuseeland recht bekannt, da um 1950 für 2 darauffolgende Sommer ein Delphin namens Opo zu Besuch kam und den Locals Schwimmunterricht gab und mit ihren Kids Wasserball spielte. Opo the funky Dolphin.

Am ersten Tag erkundete ich erstmals mit Cherry den schönen Hokianga Harbour und fand mich am Nachmittag im kleinen Tourismusbüro(-Container) des Ortes wieder. Auntie Margaret hatte mir zum Glück am Vorabend von Nachttouren durch den nahegelegenen Kauriwald erzählt und sowas konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen....

Ganz in der Nähe der Hokianga Region gibt es den noch größten Kauriwald von ganz Neuseeland. Kauri Bäume sind eine besondere Art von Mammutbäumen, die riesig groß und megaalt werden können. Ihr sehr hochwertiges Holz wurde schon immer sehr geschätzt, vorallem von den Engländern. Sie holzten so gut wie fast die ganze Nordinsel (die einst von Kauriwald bedeckt war) ab. Und ließen somit den Māoris weniger als 5% vom ursprünglichen Waldbestand. Nicht unbedingt die feine, englische Art.

Dort im Kauri National Park gibt es auf alle Fälle noch eine Menge imposanter Baumriesen, unteranderem den größten Kauribaum und den ältesten Kauribaum der Welt. Ich hatte schon von diesem Wald gehört und wusste, dass ich dort hin gehen musste. Das ich ihn nun aber in der Nacht besuchen durfte, war der absolute Hammer. Und so machte ich mich noch am gleichen Abend, zusammen mit einem Backpacker aus Frankreich und dem Local Māori Thawhari (unserem Nightguide) auf den Weg in den mystischen Kauriforest.

Kurz vor Anbruch der Dunkelheit trafen wir uns. Auf dem Weg zum Wald hielten wir als erstes auf einer Anhöhe, auf der wir einen wundervollen Blick auf den Sonnenuntergang im Hokianga Harbour genossen. Thawhari gab uns eine kleine geschichtliche Einführung in die Region und erzählte uns eine Menge good stuff über den Hokianga. Wie z.B das einer der ersten und wichtigsten Māori Chiefs vor vielen hundert Jahren mit seinem Kanoo von irgendeiner Hula-Hula Insel im Pazifik durch den Hokianga Harbour nach Aotearoa kam und von dort aus fast die ganze Nordinsel bevölkerte. Auch glauben die Māoris, dass ein Guardian Spirit am Anfang des Hafens bei den großen Sanddünen wohnt, der die Kanoos der Māoris beschützt. Damit sie nicht in der stürmischen See vor der Felsenöffnung beim Hafen (genannt "The Bar") Auseinandergerissen werden und Untergehen. Bei der Felsenöffnung treffen die verschiedenen Strömungen aufeinander und die See ist unberechenbar und fuchsteufelswild. Seit den Anfängen der Entdeckung und Kolonialisation von Neuseeland sind mehr als 23 große europäische Handelsschiffe vor dem Hokianga Hafen von der tobenden See in Stücke gerissen worden. Interessanterweise ist nie nur ein einziges Māori Kanoo untergegangen;-) Auch erzählte mir Local Uncle Henry, dass er seit seiner Kindheit schon etwa 9 Schiffe gesehen hat, die im Hafen einen stylischen Backflip hinlegten und auf Tauchstation gingen. Schiff Ahoi.

Unser Guide Thawhari war der Oberhammer. Er erzählte uns die krassesten Geschichten und gab uns Infos, die uns kein Lonely Planet oder sonst irgendein super schlaues Taschenbuch geben hätte können. Er war ein richtiger Mann des Waldes. Und er war sein Körpergewicht in Gold wert;-) Als wir dann mit Taschenlampen unterwegs durch den Kauriwald zu unserer ersten Verabredung mit dem "Vater des Waldes" waren, verschob es mir meinen Film komplett und ich hatte das Gefühl in Herr der Ringe zu Sein. Thawhari war einer von den Zwergen. Und er sah auch haargenau so aus;-) Ohne Scherz. Das war alles einfach megamäßig Ultra-Magic. Mind Blowin' Powerful Mystic Stuff.

"Die Blätter dieser Planze dort legt man auf offene Wunden und sie heilen in weniger als ein Drittel der normalen Zeit". "Die Pflanze dort ist nur für Brüche und Prellungen. Verletzungen, die nicht offen sind. Nimmst du sie für eine offene Wunde, stirbst du in 2-3 Tagen." "Und schaut euch diese Blätter an....Rückseite flauschig weich....Wisst ihr für was man die verwenden kann?" Hahaha. Jetzt konnte ich punkten, denn das war einer der ersten Dinge, die mir Brenndan erklärt hatte (Warum auch immer;-)....."Yes, thats Toiletpaper!" "Yeah, 10 Points for Austria!";-)) Thawhari zeigte uns einen Strauch mit roten Beeren. "That's to increase male performance....something like natural viagra...You eat the berries and you go wild like a bull....the women like it;-)" "But if you take too much, you will go crazy. Like my grandfather. He died because of these berries." So krass, was uns Thawhari alles erzählte. Die Māoris kannten ihre Natur in- und auswendig und wussten über jede Pflanze, ihre Wirkung und ihre Anwendungen Bescheid. Das schwarze Harz der Kauribäume nahmen sie für ihre Tattoos. Und wenn sie eine lange Tour durch den Wald machten (z.B um zu Jagen) und sie wussten, dass sie erst in der Nacht wieder zurückkehren würden, dann knickten sie in verschiedenen Abständen auf dem Weg die Blätter vom Silberfarn. Dieser hat eine weisse, silberne Unterseite, welche das Mondlicht bei Nacht reflektiert. So glitzerten und leuchteten auf dem Rückweg an jeder Ecke ihre Markierungen. Was für ein geiles Navigationssystem;-)

Nach etwa einer halben Stunde Marsch in den Kauriforest hinein kamen wir zum "Vater des Waldes". Zum Glück sank ich gleich in meine Knie, denn sonst hätte es mich sowiso aus den Socken geschmissen. Der "Vater des Waldes" ist mit über 4000 Jahren der älteste Kauribaum der Welt und laut Thawhari's Wissen der 2. oder 3. älteste Baum der Welt. Madre Mia Santa Maria. Mir verschlug es komplett die Sprache. Thawhari begrüsste den Baum mit einem Māori Gebet. Dann fing er an zu Ehren des Vaters ein wunderschönes Māori Lied zu Singen. Das war unbeschreiblich. No words can describe. Das war das heftigste überhaupt. Und hier stand er also. Der kleine Mario. Vor einem der ältesten Väter dieser Erde. Kaum jemand hat länger gelebt, hat mehr gesehen. Hat mehr Wissen und Weisheit über das Leben. Te Matua Ngahere. Father of the Forest. Ich danke dir für die Ehre. Nach einer längeren Zeit in Stille machten wir uns langsam wieder auf den Weg. Thawhari bedankte sich beim Vater und sang noch ein Lied. Und auch ich verabschiedete mich auf meine Art. Amada Tonanzin. Wir waren alle reich beschenkt worden. Wie wunderschön. Gracias, Padre.

Auf dem Weg zurück sang eine Eule für uns. Und dann hörten wir Kiwis (hier der Vogel, nicht die Frucht). Als erstes das Männchen mit einem absolut schrägen Sound ("Hey Babe, where are you?"). Dann antwortete das Weibchen mit noch wilderem Gekrächtze ("Lass mich bloß in Ruhe, du Taugenichts!"). Das war echt ein wildes Konzert. Musikrichtung: wilder Death Metal. Thawhari meinte, er habe schon 3 Wochen keine Kiwis mehr gehört. Und er ist fast jeden Tag im Wald.

Auf dem Rückweg zeigte uns der bärige Zwerg aus Herr der Ringe noch seinen Lieblingsunterschlupf, falls das Wetter im Wald einmal plötzlich umschlagen sollte; einen riesigen, ausgehöhlten Baumstumpf am Rande des Weges. Strom und fließend Wasser gibt es nicht, aber sonst hat es jeden Komfort, meinte Thawhari.

Ausserdem erzählte er uns, dass vor einigen Jahrzehnten in der Gegend ein Bauer ein Stück Wald gerodet habe. Offensichtlich war der gute Mann jedoch nicht ganz bei der Sache oder ein starker Wind zog überraschend auf. Auf alle Fälle wurde eine beachtliche Zahl von alten Kauri-Riesen verkohlt. Und unter ihnen ein Baum, dessen Alter im Nachhinein auf etwa 6000 Jahre geschätzt wurde. Der Bauer fackelte den mit Abstand ältesten Baum der Welt ab. So ein Depp.

Thawhari erzählte uns einfach alles. Über Pflanzen, Tierwelt, Māori Schöpfungsgeschichte, Götter und sogar über Māori Astrologie. Auf unserem Rückweg hielten wir eine Zeit inne und bestaunten den klaren Sternenhimmel über den riesigen Baumkronen. Der Franzose hatte eine bemerkenswerte Orientation am Himmelszelt und Thawhari ergänzte sein Wissen noch mit Einblicken in die Astrologie der Māoris.

Auf dem Weg zu unserem nächsten Rendevous mit dem "Lord des Waldes" erklärte unser Guide uns viele Dinge über das Wachstum der Bäume und wie ihr richtiges Alter gemossen werden kann. "These ones are all 2000 years old. The one at the back is a younger one. 1700 years only...." Ich hatte das Gefühl der Kerl kannte jeden einzelnen Baum des Waldes. So wie er jeden Käfer und jede Spinne kannte.

Wir machten noch einen kleinen Abstecher zu den Four Sisters, den 4 Schwestern. Die netten Damen sind alle etwa 2000 Jahre alt und müssen sich offensichtlich sehr gerne haben. Sie wachsen alle ganz nahe nebeneinander, was laut Thawhari eine große Seltenheit ist. Denn die Wurzeln eines Kauris brauchen sehr viel Platz und der Baum kämpft immer um den besten Platz an der Sonne. Die 4 Schwestern jedoch kuscheln sich regelrecht aneinander und damit jeder genug Sonnenstrahlen bekommt, wachsen sie in Abstimmung und Rücksicht auf einander. Das sei einzigartig. Muss wohl wahre Liebe sein. Was für ein magischer Wald.

Last but not least kamen wir zum "Lord des Waldes", Tane Mahuta, dem größten Kauribaum der Welt. Mit 51,2 m ein beeindruckender Baumriese aber er kann dennoch nicht mit den ganz großen wie z.B General Sherman (85m, USA) mithalten. Auch der Besuch bei Tane Mahuta war wunderschön. Aber dennoch. Age Matters Most. Not Size. Nachdem ich den Vater des Waldes besuchen habe dürfen, war Tane Mahuta ein schönes, prächtiges Kerlchen aber dennoch mit seinen 2500 Jahren einfach noch ein junger Hupfer. Dennoch ist er die Hauptattraktion des Waldes, da er nur 5 Minuten von der Hauptstrasse entfernt steht. Viele Touristen gehen erst gar nicht die halbe Stunde durch den Wald zum Vater. Ist auch gut so.

Als wir wieder in Thawhari's Bus saßen und uns auf den Weg nach Opo machten, war ich immer noch voll high. Und das hielt zum Glück noch lange an. Irgendwann sprang jedoch eine Possum-Katze auf die Strasse und Thawhari machte einen genau getimeten Schwenk mit seinem Bus und erwischte die Katze haargenau mit dem linken Vorderrad. Bäng! "Gotcha, u Bastard." Es machte einen Rumpler und das Kätzchen wurde um den Reifen gewickelt. "Killing Possums is my Hobby" meinte Thaw "and I am really good at it." Die Kiwis waren vor etwa 20 Jahren so schlau und importierten Possum-Katzen aus Australien, damit sie irgendeinem Schädling den Gar ausmachten. Das taten die hässlichen Riesenkatzen (mit Dumbo-Ohren) auch, nur dummerweise zerstörten sie auch alles Andere. Heute dürfen sie sich Nationalplage Nummer 1 nennen. Sie machen alles kaputt. Sie sind einfach überall und es gibt viel zu Viele von Ihnen. Genau wie MacDonalds. Also ist es sogar sehr erwünscht, dass man sie killt. Thawhari erzählte uns von einem seiner Freunde, der eines Nachts in einem Wald 500 Possums geschossen hatte. Das gab einen fetten Truck voll mit toten Kätzchen. Anscheinend bleiben die ziemlich bescheuerten Possums wie angewurzelt stehen, wenn ein Licht auf sie gerichtet wird. Freeze Fritz the Cat. Also müsste es gar nicht so schwer sein, viele von ihnen über den Jordan zu Schicken. Rifle mit Lichtfokus und Gemma.

Während ich über 3 Stunden mit Thaw und dem Franzosen im Kauriwald unterwegs war, kochte Cherry für die Noble Familiy megaleckeres chinesisches Essen. Da Essen für die Māoris (neben Trinken;-) das wichtigste überhaupt ist, gewann sie an nur einem Abend die Sympathie des ganzen Noble-Clans. Und durch ihren heißen Insidertipp vom Kauri Night Walk hat Auntie Margaret innerhalb von nur wenigen Stunden den Aufstieg zur "Māori Woman of the Year" geschafft.

Aber der Spass in der Hokianga Area war noch lange nicht zu Ende. Uncle Henry meinte, er wolle morgen mit seinem Boot zum Fischen Rausfahren. Oh Yeah. Mit einem alten Māori Fischen Gehen. "Yes, we would love to go fishing with u, Uncle Henry." Sein Gesicht verzog sich. Ich verstand nicht ganz. Margaret verstand, dass ich nicht ganz verstand. Also erklärte sie mir (während Cherry grad zufällig unter der Dusche war) dass Māoris sehr abergläubisch sind. Und das sie Glauben, es bringt Unglück, wenn sie eine Frau auf dem Boot haben. Asoischdes! Capiche. "Alright, Uncle Henry, I (!) would love to go fishing with u". Henry grinste. "Your welcome";-)

Das Wetter war traumhaft am nächsten Tag. Und die See war ruhig und zahm wie eine kastrierte Siam-Katze. Also bereiteten wir alles vor und machten Uncle Henry's kleinen Flitzer startklar. Henry's zwei Neffen und Ryan, ein guter Freund und fast Nachbar waren auch mit von der Partie. Mit noch mehr Leuten auf dem Boot wäre es wohl eng gewesen, aber so hatten wir doch eine gute Mannschaft für eine erfolgreiche Meuterei auf der Bounty. Vorallem war ich froh, dass es genug Leute gab, die mir erklärten wie der Hase läuft. Denn ausser Schwimmen konnte ich gar nichts. Und richtig Fischen war ich sowiso noch nie. Besonders nicht auf dem Meer. Wow, war ich aufgeregt;-)

Nachdem wir das Boot ins Wasser ließen düsten wir auch schon aus dem Hafen über die "Bar" ca. 6 oder 7 Kilometer von der Küste weg. Henry kannte eine Menge Spots, wo es sich sehr gut Fischen lässt. Und es ging nicht lange, da zogen die Herrschaften schon fette Teile aus dem Wasser. Vorallem Snapper und Dorsch. Als Ryan ein Hammerhai-Baby rauszog machte ich Augen. Auch die 2 Jungs fingen spielend einen Fisch nach dem Anderen und ich wartete immer noch bis mir mal einer ins Boot springen würde. Ich checkte nie, wenn einer anbiss und so futterten die frechen Fische immer meine gefrorenen Fischstückchen vom Haken und machten sich wieder aus dem Staub. Langsam wurde ich leicht unruhig. Doch nach einer Weile fing ich dann meinen ersten Fisch. Juhuu. Er war nicht megafett, aber nicht übel. Ich erinnerte mich daran, was mir Auntie Margaret noch am Morgen sagte; den ersten Fisch des Tages muss man wieder ins Wasser zurückschmeissen, als Opfer und zur Besänftigung für die Götter des Meeres. Also wollt ich meinen schönen Fisch gleich wieder zurückbefördern, doch Uncle Henry zog ihn mir aus der Hand und meinte "No, its a good one. We will eat it." Äh...Ok. Ein bischen Flexibilität im Aberglaube ist also doch erlaubt;-)

Nach meinem ersten Fang gings schon ein bischen besser. Es bissen noch 2 weitere Fische an bis dann wieder für eine Zeit lang tote Hose war. Auf einmal aber bekam meine Angelrute einen Tritt in den Arsch und machte sich fast selbstständig. Das weckte mich aus dem Schlaf. Ich zog wie ein Wilder und versuchte das Teil an die Oberfläche zu Befördern. Ich zog und kurbelte und zog und kurbelte und zog und kurbelte und es wurde immer schwerer und schwerer. Meine Angel bog sich schon krass durch und ich schaffte es kaum, das Teil unter Kontrolle zu Halten. Jetzt hatte ich aber was an der Leine. Ryan checkte recht schnell, dass bei mir die Post abging und kam mir zur Hilfe. Mit vereinten Kräften konnten wir das fette Teil an meiner Angel an die Oberflächte befördern und da bekam ich einen Megaflash; Ich hatte einen fetten, fast 2 Meter langen Hai an meiner Leine. Holy Shit. Und das Teil heizte uns mächtig ein. Der Junge hätte uns beide fast zu sich in den Pool geholt. Er fightete und zappelte so fest im Wasser neben dem Boot, dass wir keine Chance hatten. Da Ryan an der Rute war und ich so blöd war und nervös an der Angelschnur zog, verwickelte sich die ganze Geschichte. So fest, dass wir uns mal entwirren mussten. "A Shark, a fucking big Shark!" Ich war total aus dem Häuschen. Aber als wir aufhörten zu Ziehen, ging es keine Minute und der Hai hatte sich aus dem Staub gemacht. Adios, Amigo.

Als ich mich langsam beruhigt hatte (das dauerte eine Weile), kapierte ich auch schon warum Uncle Henry mir nicht half den Hai an Board zu Ziehen. Suicidal Tendencies. Wir hätten ja gar keinen Platz gehabt. Abgesehen davon, dass es wohl recht fahrlässig wäre, auf einem kleinen Bötchen mit zwei 9 Jahre alten Jungs und einem totalen Anfänger (aus einem Land, indem es nur Forellen gibt) einen fast 2 Meter fetten Hai an Land zu Ziehen. Der hätte uns fein angeknabbert. Warum mir Ryan im Kampf mit dem Hai half, wurde mir später klar. "Have you ever tasted shark meat, Mario? It's wonderful." Er träumte also vom fettesten Haifisch-Steak der Welt. War wohl leider nix.

Als langsam ein Wetter aufzog und die Wellen an der Bar draussen gleich 3 mal so hoch waren wie vorhin, meinte Henry es wäre wohl besser Heimzugehen. Wieder fast im Hafen zurück ging uns kurz vor dem Steg der Sprit aus. Ich dachte, es wäre ein Scherz. Aber schwupdiwups waren wir alle schon im Wasser und versuchten das Boot halbwegs heil an den Felsen zur Laderampe zu Bringen. Ich merkte, dass es Uncle Henry sehr peinlich war. Jemand muss sein Petrol geklaut haben, versuchte er sich Rechtzufertigen. "Don't worry, Unlce, as long as we're not out at the Bar, I'm fine. I like adventures." Wäre uns der Sprit draussen ausgegangen, wäre es mit Sicherheit wirklich witzig geworden.

Auch wenn die Sache mit dem Hai eigentlich nicht unbedingt was besonderes ist (für die Locals in Opo), da es in der Hokianga Area massig Haie gibt, fühlte ich mich natürlich trotzdem Obercool. Mr. José el Sharkhunter. Die Hokianga News machten noch am gleichen Abend bei meiner ganzen Whānau in Auckland die Runde. Sogar Lucky bekam jetzt Lust mal endlich Fischen zu Gehen.

Der Fang des Tages war laut Henry ok. Normalerweise geht viel mehr. Kein Wunder, wenn man so eine Pfeife wie mich an Board hat. Ich fing vielleicht ein Viertel von der Menge, die jeder von Henry's Neffen fing. Gut fürs Ego. Die meiste Zeit verbrachte ich mit dem Entwirren meiner Angelschnur von der von Ryan oder Henry. Uncle Henry blieb immer ganz cool, aber ich bin mir sicher, er hätte mich manchmal gerne den Fischen zum Fraß vorgeworfen;-)

Back home half ich Uncle Henry mit dem Auseinandernehmen und Filletieren der Fische. Und am Abend kochte Cherry 3 verschiedene Fisch-Curries. The best Curry in Town. Sowiso. Am nächsten Morgen verließen wir die Nobles und düsten aus dem Hokianga Richtung Auckland. Wir hielten unterwegs nochmals im Kauriwald. War schön nochmals alles zu Sehen, aber da man in der Nacht oft doch mehr sieht als am Tag;-) war ich beim zweiten Mal nur noch halb so beeindruckt. Um den von Cherry verlangten Spaziergang durch den Wald Abzukürzen, erzählte ich ihr die Geschichte von der Leiche, die ein Mörder vor 5 Jahren hier im Wald vergraben hatte...;-) Innerhalb von 10 Minuten waren wir wieder beim Auto.

Auf dem Weg zurück führte Cherry ein Theater auf und warf mir Ausbeutung, Unterdrückung und Sklaverei vor. Während ich einen schönen Nightwalk und einen tollen Tag auf See hatte, musste sie schuften und die nimmersatten Māoris mit ihren chinesischen Kochkünsten bei Laune halten. Was für ein armes Geschöpf. Als sie Amnesty International anrufen wollte, sah ich mich wohl oder übel gezwungen, ein wenig Mitgefühl zu Zeigen. Und so drehten wir schnurstracks um und fuhren zurück nach Whangarei um nochmals zwei Tage richtig Abzuchillen. Essen, Fernsehen und Spa. Und was man sonst halt noch so macht, wenn einem langweilig ist;-)

Zurück in Auckland hatte ich noch einen Tag. My last day in NZ. Busy Business. Ich traf mich mit Brenndan auf einen Cafe, um mich zu Verabschieden und ihm seine spacige Lavalampe zurück zu Geben. Nachdem ich mich beim halben WSA und den 5 Millionen Inder in Auckland verabschiedete, gab es am Abend noch ein Farewellmeeting mit meiner Māori Whānau und den Rittern der Tafelrunde. Ein kleines Zusammenkommen in der Brooklyn Bar wurde zu einer WSA-Party in 11F. So was kann schnell gehen.

Cherry wollte mich am nächsten Morgen zu einem Frühstück bei MacDonalds einladen. Da ich aber nicht mehr besoffen war, gingen wir in meinen Lieblings-Sushi Laden und zum Hollywood Café für meine tägliche Dosis Käsekuchen. Cherry wollte nicht mein Abschiedskomitee spielen und somit trickste sie mich aus und flog eine Stunde vor meinem Abflug nach Christchurch. Sozusagen als Vorbeugung für eventuell auftretende emotionale Turbulenzen. Und so stand ich wieder am Eingang des Terminals vom Auckland International Airport. Genau dort wo ich vor ca. 6 Monaten den Brenndan getroffen hatte. Wow. Die Zeit vergeht. War ein lustiges Gefühl. Aber fühlte sich gut an. Ich realisierte, dass ich Flughäfen sehr gerne mag. Hasta Luego, Aotearoa.

Von The Far North




Crazy Town Auckland

Hey Mate, hows it goin? What ur up to Bro? Choice Man, Choice. Good On ya, Mate! So catch ya Later, Cuz. Crazy Town Auckland. Sweet As, Bro! Sweet As. Ich habe diese Stadt wahrlich lieben gelernt. Am Tag und in der Nacht. So schön bunt und verrückt. From the Britomart Station Waterfront to Higher Queens and K! Everybody say Yeah! Auckland rockt einfach. Und deswegen kann man in dieser Stadt wirklich viel erleben....

Schon recht bald nach meiner Ankunft gabs erstmal einen musikalischen Leckerbissen vom Allerfeinsten: die Dharamsala Homeboys Gyoto Monks Tantric Choir. Eine meiner absoluten Lieblingsbands. Was für ein Konzert. Und die Location war der absolute Hammer. In einem über dem Wasser schwebenden Blockhäuschen. In einer ruhigen, abgelegenen Hafenbucht am Rande der Stadt. Blockhouse Bay. Und so versammelte sich dort an einem wundervollen Abend ein kleiner Sangha aus aller Welt und genoß zusammen den Sonnenuntergang und das auf dem Wasser flackernde Sternenzelt zu den schönsten Tönen von tantrischem Gebrumme. Om Mani Padme. Mani Padme Hum.

Leider habe ich etwas zu spät gecheckt, dass Ravi Shankars hübsche Tochter Anoushka die Stadt mit ihrer edlen Erscheinung beehrt. Und ihr mit ihren fetten Chill-Out Lounge Sitar Asian Fusion Beatz richtig einheizt. Einen Monat bevor sie in die "Edge" (die 2. größte Konzerthalle in Auckland Downtown) kam, war die riesige Halle bis auf die 2 vorletzten Sitze ausverkauft. Ratzeputz. Und die letzten 2 Sitze wollte verständlicherweise niemand. Niemand unter 2,5 Meter Körpergröße ohne Fernglas. Sehr schade. Gerne hätte ich die liebe Anoushka bewundert. Ihren Herrn Papa durfte ich durch glückliche Zufälle vor einigen Jahren in Zürich im Garten eines Hauses vor ca. 60 Leuten Spielen sehen. Ustad Ravi Shankar. Wie man sich vorstellen kann, war das wirklich erste Sahne. Der beste Sitarspieler der Welt spielt heute im Garten. Und dazu gibts vegetarisches Barbecue und Schwitzr Duftsäckli;-) Yeah. Das war zu Krishna's Geburtstag. Happy Birthday! Da wollten die Schweizer Hare Krishna's mal richtig einen drauf Machen. War echt ne coole Party.

Genau. Die Hare Krishnas. Ich habe mich sehr gefreut, dass es in Auckland einige von diesen Bhakti-Brothers gibt, denn ich könnt sie Knuddeln und ausserdem steht ja in der Bhagavad-gita; Wo ein Krishna ist, ist auch megaleckeres Essen nicht weit;-) Bon Appetit. Die Krishnas haben eine Lounge in der Beach Road und dort machen sie immer Events mit Philosophy, Yoga und dem natürlich besten Essen in der ganzen Stadt. Die Yoga-Sessions seien anscheinend auch recht gut....Meine Besuche in der Lounge waren zugegebener Weise jedoch vorwiegend kulinarischer Natur;-) Aber die Krishnas sind schon Schlitzohren. Ja, ja. Essen gibts erst nach langem Geschwafel und intensivem "Hare Krishning". Only Food for Belly not Possible. First Food for Mind. Aber eine Portion Bhakti ist immer gut fürs Shakti. Hare Ram!;-)

Auch haben sie uns jeden Mittwoch mit ihrem Ständchen am AUT Uni Hikuwai Plaza besucht, um sicher zu Stellen, dass wir nicht vom Fleisch fallen. Weekly Dose of Food for Life. Und da ich ein hingebungsvoller Bhakti-Schüler bin, habe ich natürlich pflichtbewusst kaum ein Mittwoch Mittagessen mit Krishna ausgelassen. Bhaktivedanta Swami Prabhupada wäre mit Sicherheit stolz auf mich. Wobei ich mit den Monaten dann genug Channa, Chawal und Halwa on Bananaleaf gefuttert hatte. Hare Krishna Hare Krishna Krishna Krishna Hare Hare.

Lustig war die erste Begegnung mit den Auckland Krishnas. Als ich eines Tages mal grad die Queens runterspazierte, hielt mich ein junger Mann in Rosa für ein gutes Opfer und zog mich schwupdiwups in ein sinntiefes Gespräch über Gott und die Welt, mitten auf der Megatension Street Number 1. Ich könnte wahrscheinlich schon ein Buch über "Conversations with Krishnas" schreiben, wäre vielleicht gleichspannend wie mein 10-teiliges Standardwerk "789 Wege Zeugen Jehovas Abzuwimmeln" (Bertelsmann Taschenbuch Verlag;-) Der junge Herr vertrat meines Erachtens recht bemerkenswerte Gedankenansätze und hatte einen guten Sinn für Humor. So flüsterte er mir beim Abschied nach ca. 20 Minuten Intense Vedic Philosophy On the Run seine Lebensmotivation grinsend ins Ohr; "You know, Bro....I don't give a damn about that whole Hare Krishna Stuff. I am just there because of the food..." Das nenn ich richtige Hingabe ans Göttliche! Hare Krishna!;-)

Und wenn ich schon grad beim Essen bin; Yummy Yummy Yummy Asian Food in my Tummy. Super asiatisches Essen an fast jeder Ecke. Hier gibts einfach alles, was den östlich-orientierten Gaumen erfreut. Dank meiner strategischen Beziehungen zum kaiserlichen Hofe Chinas sind meine kulinarischen Erfahrungen noch um ein Vieles vertieft worden.

Und so zeigte mir meine Lehrerin Cherry nicht nur die Food Courts, wo es recht preisgünstig leckeres Essen dieser Welt gibt (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Thai, Indonesisch, Malaysisch, Indisch, Mexikanisch, Italienisch usw.) sondern auch mein absolutes Lieblingsrestaurant, das chinesische Restaurant am Hafen mit dem einfallsreichen Namen "China". Wie Cherry uns beim ersten Mal treffend beschrieben hatte; "It's like Spanish Tapas, only that it's Chinese." Yeah. Das ist wirklich lecker. Yum Char nennt sich das. Very Yummy. Da schwirren den ganzen Mittag oder Abend unzählige Angestellte mit kleinen Wägelchen kreuz und quer durchs Restaurant und servieren dir die ausgefallensten, traditionell-chinesischen Leckereien. Von jedem ein bischen. Oder auch etwas mehr. Und dazu gibts natürlich Tee und feinstes Opium;-) Im Süden Chinas und so auch in Beijing ist Yum Char Standard. Ausserdem essen sie in China ja Hunde;-) Und viel Meeresalgen. Oder auch Hühnerfüsse ("You like it, Mario?" "Yes, äh...it has an interesting taste...") Wäh. Die ungeschlagene Nummer Eins bleibt aber nach wie vor einfach die "Betsching Lente Sus-Sauel". Beijing Roasted Duck. Wenn jeder, der in Beijing ein Fahrrad hat, eine Ente essen würde, dann hätten die Chinesen sicher ein Problem. Die müssen so was wie eine "1 gebratene Ente pro Jahr" - Politik haben oder so. Soviel Enten kanns ja in China kaum geben. Aber eben hats die Ente halt voll drauf. Donald Duck mit Honig gebratener Kruste. Vom Feinsten.

Und auf den Cook Island essen sie aber wirklich Hunde. Ohne Witz. Mein Island Bro Pou from Home Sweet Home WSA 8B erzählte mir, dass Hunde echt super schmecken. Sie schmecken sogar leicht süsslich. Er habe schon viele Hunde gegessen, dass sei bei ihnen daheim normal. Wau, Wau. Na da schau her. Weiters durfte ich von Pou und der Gang von seinem Cuz aus Auckland City South Side lernen, dass es die besten Drinks einfach im Pak'n'Save gibt und dass Mario in ihrer Raratongan-Sprache "Banana" heißt. Ciao, Mario!

Meine chinesische Prinzessin war die volle Erleuchtung für mich. Fast 2 Monate lang ging ich ignoranter Weise im megateuren Foodtown 24-Hours Riesenladen einkaufen....wobei ich muss schon sagen, Midnight Shopping hat was;-) Doch wie mir Cherry dann zeigte gibts bei der chinesischen Mafia Gemüse und Früchte um 2 Drittel billiger und um 1 Drittel größer;-) Abenteuer chinesischer Supermarkt. Let's get really funky. 445 verschiedene Sorten Chilisauce und 1276 verschiedene Arten von 5-Minuten Fertignudeln. Und alles in Leuchtfarben und Chinesisch. Made by King-Kong in Hong-Kong.

Dort gibts echt die ausgefallensten Sachen. Von leckeren Riceballs in allen möglichen Farben bis zu megagrausigen Grün-Tee Butter Cookies mit dem wahrscheinlich ekligsten Nachgeschmack der Welt. Ein Biss davon ist einer zuviel. Der Rest der Packung bekam mein Bruder Josh, der leider grad zur falschen Zeit am falschen Ort war;-)

Dafür aber haben die Schlitzaugen den Bubbletea. Und ihre coolen Milk Bars. Yeah. Wie bei Clockwork Orange;-) Oder fast so. Ohne Cherry wäre ich wohl nie in so einem geilen Laden gelandet. Strictly Asian. Thats the way the East does it. Bevor man die Clubs der City unsicher macht, geht man in eine Milk Bar und lässt sich mit einer von 100 Bubble Milk Tea Variationen volllaufen. Mit Bubbles, Jelly und Sirup. Von Jasmin Tee für die Klassiker bis zu Mango-Maracuja für Freaks. Und die ganz harten Jungs trinken warme Milch pur. Das sind meistens die Koreaner;-) Dazu eine Runde Manga-Comics oder Poker. Wenn nicht grad Karaoke Abend ist. Nǐ Hǎo.

Da Auckland trotz einer großen Zahl an Turbanträger und Miss World Kanidatinnen im Allgemeinen ein leider nur wenig befriedigendes Angebot an gutem indischen Essen zu bieten hatte, schlug mein Herz im Magen meistens für Chinese Egg 'n' Shrimp Fried Rice und für Pad Thai. Thailands Best Food. Und eh klar, Sushi. In Auckland gibt es reichlich genug Zen-Meister, die durch die hohe Kunst des Su-Shi schon zu Zeiten von Komyozo Zanmai ohne Hara-Kiri ins ewige Licht des Satori eingegangen sind. Arigato!

Als richtiger Intellektueller ohne Brille fand ich mich nicht allzu selten pünktlich abends vor der Glotze, um mich mit meiner täglichen Dosis Simpsons weiterzubilden. Mit oder ohne Ginger Beer. Hier bestätigte sich für mich der erfolgte, große kulturelle Fortschritt der Neuseeländer. Auch Sie hatten zur Primetime 3 Folgen Simpsons Action auf 2 Kanälen. Ausser die guten Music Channels und das Māori-TV mit dieser ultracoolen Kindershow am Vormittag;-) ist das NZ TV Programm ziemlicher Mist. American Bullshit. Und bei ihnen ist immer noch zuviel Film zwischen der Werbung;-) Das haltet ja kein normal programmierter Homo Sapiens aus. Jede 7 Minuten kommen 3 Minuten Werbung. F*** em.

Ach ja, und ein gepflegter junger Mann geht natürlich auch mal zum Frisör. Und dann ins Krankenhaus oder zur Polizei;-) Nicht weit vom AUT gab es den Mr. Barber, eine Frisör-Übungsschule. Free Haircut. Die Opfer waren natürlich vorwiegend Studenten. Nach meinem ersten Besuch dort hatte ich nicht nur eine nette Frisur, sondern auch ein fettes Loch in meiner Haarpracht. Sehr modisch. War echt nett, als mich der Lehrling im ersten Monat am Schluss fragte, was ich von der Frisur halte...."Oh, yes not too bad....but that big hole on the side...I am not so sure if I like it...." Er selber war ja ein netter Kerl. Aber noch kein Profi. Ich hielt es trotzdem für einen Unfall und nicht für den Standard. Doch nach meinem zweiten Besuch beim Mr. Barber hatte ich es dann wirklich kapiert. Mein 2. Haarschnitt war echt cool und der Gangsta aus South Auckland (Lehrling in der 2. Woche) war echt ein Naturtalent. Und fast wäre es auch gut gegangen. Blöderweise war er doch ziemlich stoned und schnitt mir am Ende mit der Maschine einen beachtlichen Cut in den Hals. Also im Ghetto von South Auckland ist das vielleicht schon der letzte Schrei...;-) Mr. Barber, please don't kill me.

Hahaha. Und das AUT hatte auch ein Übungsrestaurant;-) Ja, ja. Genau. Wieder so ein Adventure. Four Seasons Restaurant. Nobles Ambiente und Lehrlinge in der ersten Woche als Bedienung. Dies glich mehr einem Kabarett als einem Restaurant. Für das hätten sie wirklich Eintritt verlangen können. Und wenigstens musste man dort keine Angst haben, dass man abgemurkst wird;-) Wobei der Kerl sich beim Öffnen der Weinflasche fast strafbar gemacht hätte. Doch das Essen war gut, auch wenn der Lachs noch gefroren war. Und mir der Koch allen Ernstes verklickern wollte, dass sich das so gehört. Oh ja, als Lehrling in der ersten Woche vielleicht.

Auf alle Fälle wurde in diesem recht speziellen Restaurant ein Stück internationale Familiengeschichte geschrieben. Nach erfolgreichem Überkommen von kulturellen Differenzen konnte ich wertvolle wirtschaftliche Verbindungen mit der Zukunftsmacht China schließen und bekam in Folge als Dank für meine Bemühungen von der Großfamilie Li bei einem feinen Mittagessen meinen offiziellen chinesischen Namen: Li O. Freier Vogel Europas der Familie Li. Was für eine Ehre (auch wenn ich keinen Kimono bekommen habe) und wie zu tiefst treffend und weise von Big Mama Li. Denn es ging nicht lange, da flatterte der freie Vogel auch schon wieder davon....ab in den Süden, immer der Sonne nach....;-)

Als ich dann (als alter Freiheitskämpfer, Hasta la Victoria Siempre!) noch zum CANG-Botschafter für Ozeanien und das gesamte pazifische Gefilde wurde (mit Konsulat auf den Fiji-Inseln), fühlte ich mich wahrlich wie ein gemachter Mann. Dem sinnlosen Theater (welches sich in der heimischen Bildungsanstalt während meiner Expedition zum Fast-Südpol abspielte) konnte ich nur wenig Freude abgewinnen und aufgrund von interessanteren Erfahrungen in meinem Leben nur wahrlich wenig Aufmerksamkeit schenken. Kaum ist man mal kurz weg, geht schon alles drunter und drüber;-)

Und so ist die Fussball-EM daheim dank 12 Stunden Zeitverschiebung auch ganz leise und ohne großes Rauschen an mir vorbeigezogen. Im Vergleich zu einer großen Handvoll anderer Freaks, die schon um 6 morgens besoffen im Pub auf der K-Road saßen. Auch wenn es meinem lieben Freund und Landsmann Rainer geholfen hätte (vorallem in der von mir vorhergesagten Entäuschungsphase;-) dass ich wenigstens eine kleine Portion Begeisterung für die Adler ohne Flügel in Rot gezeigt hätte, so war mir das ganze, solange Deutschland nicht gewinnt, echt egal (Sorry, Rolf! Bitte Hau mich nicht!;-)

Ich hatte wahrlich Besseres zu Tun. Wie zum Beispiel von der Brücke zu Springen. Oder bei meiner Māori Familiy vom International Office Hangi (Māori Food in einem Erdloch zubereitet) zu Essen. Oder auch in die Kirche zu Gehen. Aber Natürlich geht der Herr Bertsch in die Kirche. Was denken da sonst die Nachbarn? Und ausserdem kommt man ja sonst in die Hölle. Und wer schon mal bei uns in der Kirche war, weiss ja ganz genau wies dort ausschaut;-)))

Aber bei meinem christlichen Sonntag sah die Sache ganz anderst aus. Meine Island-Sistas Alica, Margaret und Big Mamma nahmen mich mit zu ihrer Samoan Church. Yes. Yes. Yes. Der volle Hammer. Die Christian Church of Samoa hat ein schönes Holzhaus im Stadtteil Grey Lynn, zu der am Sonntag Mittag alle Island Gangstas mit ihren Grand-Ma's 'n' Grand-Pa's und Uncles 'n' Aunties und Cuz 'n' Cuzzies pilgern. Alle waren sie voll gestylt und komplett in Schwarz gekleidet, mit ihrer ganzen Family in "Gottes Hütte" versammelt. Unter ihnen gab es aber auch ein paar wenige, weiss gekleidete Schaafe. Was für ein Erlebnis. Ich hatte irgendwie das starke Gefühl auf einer Mafia-Beerdigung in Sizilien zu Sein....also vom Setting zumindest. Aber im Vergleich zu den langweiligen, kastrierten Lobeshymnen von europäischem Standard, haben die Samoans ganz anderst Gas gegeben. Yeah. Die sangen die schönsten Gospel-Songs und rockten das Haus so richtig. Da kann ich schon verstehen, dass Gott gerne mal vorbei schaut. Der Priester sowiso, aber auch die tobende Menge fing dann irgendwann an, in voller Lautstärke und Extase ihre Gebete aus voller Brust mit allen Anwesenden zu Teilen. Wow. Da geht die Post aber anderst ab. Als der einzige bunt-gekleidete und einzige Weisse in der ganzen Kirche auf einmal das Gleiche tat, machten die Samoans aber Augen;-) The Power of the Gospel.

Natürlich mussten religiöse Erfahrungen immer gut mit weltlichen Traditionen und Gepflogenheiten ausgeglichen werden. Ying-Yang und so. Als Student sowiso. Dem Partylife konnte ich als Mitglied der legendären Appartment 8B Crew sowiso nicht entkommen. Und warum auch. Nachtruhe stand eigentlich nie an der Tagesordnung. Und in diesem Punkt werden einem auch die oft unterschätzten Vorteile einer fetten Stadt bewusst: Real Nightlife. From Dusk till Dawn. Es gibt wirklich massig coole Clubs überall in der Downtown von Auckland verteilt. Da macht das Fortgehen am Wochenende (und unter der Woche) gleich mehr Spass. Shake that Ass. Und wenn's mal keine Tour zur Waterfront, zum Globe/Margaritas oder zur The Lounge gegeben hat, dann eigentlich nur weil man nach einer von den krassen WSA Student Parties nicht mehr wusste, in welchem Zimmer man eigentlich zu Hause ist. It happens. Da die Stockwerke beider WSA Gebäude großteils verglast sind, bestand nie wirklich die Gefahr, dass man eine Fete verpasst, oder dass "es nur eine gemütliche Party im kleinen Kreise" wird;-) Und wenn nicht bei der AUT Uni Bar (The Vesbar) grad was cooles auf dem Programm stand (wie z.B Kora Konzert, Air Guitar Contest, Foam Party oder Bollywood in tha House) und man den starken Entschluss fasste, heute mal nicht fortzugehen, dann (ja dann) stand mit Sicherheit Pou's Cousin und seine Crew aus der South Auckland Neighboorhood mit Schachtelweise Raketenbrennstoff in der Küche 8B und verwechselte ihre traditionelle Ukehele mit einer Heavy Metal E-Gitarre. You Guys all Rocked tha House.

Und meine Māori Familiy schlug sowiso alles. Es hat mich immer wieder aufs Neue fasziniert wie trinkfest sie alle sind. Nach den ersten paar echt heftigen Sauftouren durch die City (Thursday, Friday and Saturday Night: Destruction Tour;-) fing ich sehr bald mal an, mir gute Ausreden zu Überlegen, warum ich denn heute leider nichts trinken konnte bzw. hab versucht schlechte Ausreden gut rüberzubringen;-)

Viele Locals mit denen ich sprach, meinten, dass Auckland nicht Neuseeland sei. Ich kann sie verstehen, aber nun ja.....ich würde eher behaupten, diese Stadt ist ein (hochprozentiger) Cocktail-Mix aus der gesamten rechten Hälfte der Weltkugel zusammen mit einem sehr starken Geschmack von Māori. Dieses ein bischen zu viel an Amerikanisch erzeugt einen leicht bitteren Nachgeschmack, der aber zum Glück deutlich vom starken, süßen Taste of Asia überdeckt wird. Auckland wird nur kalt serviert. On the Rocks mit Zitronenschale, Rohrzucker und (Bäng!) einem Schuss Mangosaft. Funky. Groovy. Spicy. Cheers, Mate! Cheers.

Von Crazy Town Auckland